Fast pünktlich landeten wir am Vancouver Airport. Einreise und Zoll verliefen sehr schnell und ohne Probleme. Wir nahmen uns ein Uber, um zur Unterkunft zu kommen. Wir hatten für zwei Nächte ein AirBnB in East Vancouver gemietet (ungefähr Ecke Fraser Street / East King Edward Avenue). Nach kurzer Verschnaufpause mussten wir erstmal etwas essen. Wir gingen zu einer Pizzeria auf der Fraser Street. Anschließend trafen wir uns mit meiner Freundin, die vor ca. 5 Jahren nach Vancouver ausgewandert ist, und machten mit ihr und ihrem kleinen Hund einen Spaziergang entlang des südlichen Ufers des False Creek, wo wir die Skyline im Abendlicht bestaunen konnten. Da wir doch sehr müde waren, kehrten wir bald um und fuhren zurück zur Unterkunft.
Tag 2 Vancouver Downtown
Da wir noch keine Lebensmittel eingekauft hatten, gingen wir zum Frühstück in die Bâtard Bakery. Gut gestärkt (mit sehr süßen Teilchen) nahmen wir den Bus Richtung Zentrum. Man kann im Bus einfach seine Kreditkarte an das Lesegerät halten und damit 90 Minuten für 3,35$ fahren (auch mit Umsteigen). Der erste Stopp sollte ein Canadian Tire sein, weil wir ein Anti-Bären-Spray für unsere Wanderungen kaufen wollten. Doch bei einem Preis von 69$ (+ ca. 8$ Steuern) für etwas, was wir eventuell gar nicht brauchen, was wir nur an bestimmten Stellen wieder abgeben bzw entsorgen können und was wir auch nicht mit nach Deutschland nehmen dürfen, haben wir uns doch dagegen entschieden. Weiter ging es mit der U-Bahn (Canada Line) bis zur Haltestelle Waterfront und dann zu Fuß nach Gastown. Das ist Vancouvers ältestes Viertel. Hier gibt es kopfsteingepflasterte Gassen, viktorianische Gebäude, viele schöne Souvenirshops und natürlich die „spektakuläre“ Steam Clock, die alle 15 Minuten pfeift und Dampf ausstößt. Kaum zu glauben, dass nur ein paar hundert Meter weiter das Drogenproblemviertel der Stadt ist (East Hasting Street).
Anschließend mieteten wir uns Fahrräder bei Spokes auf der Cordova Street. Wir bekamen auch Helme, da in Vancouver eine Helmpflicht gilt. Aber da uns so gut wie kein Radfahrer mit Helm begegnete, setzten auch wir die Helme nach kurzer Zeit wieder ab. Wir starteten am Canada Place und fuhren die Seawall (Uferpromenade) entlang Richtung Stanley Park. Aber so richtig ins Fahren kommt man hier gar nicht, da man immer wieder anhält, um Fotos zu machen, z.B. von den startenden Wasserflugzeugen. Im Stanley Park muss man die Seawall entgegen des Uhrzeigersinns fahren, da es eine Einbahnstraße ist. Hier hat man immer wieder tolle Ausblicke auf die Skyline von Vancouver. Am nördlichen Punkt des Parks (Prospect Point) kann man die Lions Gate Bridge bestaunen. Nach der Umrundung des Stanley Parks radelten wir zurück zum Verleih und gaben die Räder wieder ab. Insgesamt waren wir 3 Stunden unterwegs und haben pro Person 32$ bezahlt.
Nach der Fahrradtour spazierten wir einmal quer durch Downtown zum Hornby Aquabus Ferry Dock, von wo wir mit einem Mini-Wassertaxi nach Granville Island fuhren. Die Überfahrt dauerte 2 Minuten und kostetet 5$ pro Person, aber es war ganz witzig und es ging schneller als zu Fuß über die Brücke. Granville Island ist ein ehemaliges Industriegebiet, das in den letzten Jahrzehnten in ein lebendiges Kultur- und Marktviertel umgewandelt wurde. Eine der alten Hallen ist heute eine riesige Markthalle, wo frisches Obst, Gemüse, Backwaren oder Fisch verkauft werden. Nach einer kleinen Runde über die Halbinsel gingen wir Richtung Kitsilano Beach, um uns nochmal mit meiner Freundin zu treffen. Gemeinsam spazierten am Strand entlang bis zum Elsje Point, wo wir die kleine Fähre zum Sunset Beach nahmen. Auch hier wieder tolle Aussichten auf die Bucht und die Skyline. Zum Abendessen entschieden wir uns für das indische Restaurant „Sula“ auf der Davie Street. Den Sonnenuntergang wollten wir am English Bay Beach genießen, doch leider kamen dann recht viele Wolken. Die Stimmung/Atmosphäre dort war trotzdem schön: zahlreiche Menschen auf Decken auf den Wiesen oder am Strand, beim Volleyballspielen oder auf den Außenterrassen der Restaurants. Besonders gut hat uns am Strand die Skulptur „Amazing Laughter“ gefallen, da die Figuren alle in Fußballtrikots der verschiedenen Nationen gekleidet waren (für die bevorstehende WM). Der Plan, mit dem Bus zurück zur Unterkunft zu fahren, endete mit mehrfachem Umsteigen und recht langen Wartezeiten an den Haltestellen aufgrund Verspätungen.
Wenn wir noch mehr Zeit in Vancouver verbracht hätten, hätten wir uns gerne noch das Nobelviertel Shaughnessy angeschaut, hätten im Queen Elizabeth Park die Photo Session Skulptur fotografiert und wären zur Capilano Suspension Bridge (oder alternativ zum Lynn Canyon) gefahren.
Tag 3 Fähre nach Vancouver Island
Wir hatten bei Alamo am Flughafen von Vancouver einen Mietwagen reserviert und nahmen uns wieder ein Uber um dorthin zu kommen. Die Übernahme des Mietwagens klappte gut; wir bekamen einen geräumigen Mitsubishi Outlander. Matthias machte sich schnell mit den lokalen Fahrgewohnheiten vertraut und wir kamen überpünktlich an der Fähre in Horseshoe Bay an, wo wir eine Fahrt nach Vancouver Island gebucht hatten. Die fast 2-stündige Fährfahrt war auf dem Oberdeck sehr windig, aber wir wollten ja was sehen. Angekommen in Nanaimo, suchten wir ein Café für eine kleine Stärkung und fanden das Lavender Art Café (in einem ausgestorbenen Einkaufszentrum). Kaffee und Kuchen waren lecker, hübsch angerichtet und der Besitzer sehr freundlich.
Auf dem Weg zu unserem AirBnB machten wir einen Stopp am Cathedral Grove. Der Rundweg durch den Urwald startet direkt am Highway. Da es schon spät am Nachmittag war, war es nicht schwer einen Parkplatz zu finden. Auf angelegten Wegen läuft man vorbei an riesigen, alten Douglasien, die man gar nicht komplett fotografieren kann.
Weiter ging es nach Port Alberni, wo wir erstmal bei Walmart einen Grundstock an Lebensmitteln einkauften. Hier lernten wir gleich, dass auf manche (verarbeitete) Lebensmittel an der Kasse zusätzlich 12% Steuern aufgeschlagen werden. Aber auch die frischen Produkte waren ziemlich teuer.
Unser AirBnB lag in der Nähe vom Sproat Lake in einer idyllischen Waldsiedlung, wo wir nur noch Abendessen aßen und dann ins Bett fielen.
Tag 4 Vancouver Island (Tofino und Ucluelet)
Bei herrlichem Sonnenschein, aber nur 10 Grad, ging es am frühen Morgen los an die Westküste von Vancouver Island. Den ersten Halt machten wir am Pacific Rim Visitor Center von Ucluelet. Hier kauften wir den Discovery Pass für den Eintritt in die kanadischen Nationalparks. Die Dame im Visitor Center meinte, man muss den Pass pro Person kaufen (83,50$), aber bis heute sind wir uns nicht sicher, ob nicht auch ein Pass pro Auto gereicht hätte, da auf dem Pass selbst keine Personenanzahl steht. Der Pass ist ein Jahr lang gültig und wir gehen davon aus, dass uns das günstiger gekommen ist als die einzelnen Tagespässe in den Nationalparks zu kaufen, da wir in fünf verschiedenen NP’s waren, manchmal auch mehr als nur 1 Tag. Außerdem mussten wir uns mit dem Discovery Pass an den Parkeingängen von Jasper und Banff nicht in die lange Autoschlange einreihen.
Weiter ging es Richtung Norden. Wir wollten zum Cox Beach Lookout. Jedoch kamen wir nicht bis zum Gipfel (ca. 100m hoch), da der Weg dorthin sehr schlammig und mit Wurzeln übersät war. Aber auch schon nach den ersten 20-30 Höhenmetern hat man einen tollen Blick auf die Cox Bucht und das Meer, wo ein paar wenige SurferInnen den kalten Temperaturen trotzten.
Zurück im Auto überlegten wir, ob wir noch nach Tofino fahren sollten und entschieden uns dafür („wenn wir schon mal hier sind“). Aber so richtig begeistern konnten wir uns nicht für das kleine Surferstädtchen, vielleicht haben wir uns aber auch nicht genug Zeit dafür genommen. Wir sind ein bisschen am Hafen entlang gelaufen und dann über die Main Street zurück zum Parkplatz. Anschließend fuhren wir zum Rainforest Trail, welcher uns noch besser gefallen hat als das gestrige Cathedral Grove. Generell sind beide Wälder recht ähnlich, aber auf dem Rainforest Trail läuft man nicht nur auf Holzstegen, sondern auch über Treppen durch einen dichten, grünen Wald. An vielen Stellen liegen umgefallene Bäume, die mit Moos bewachsen sind und man bekommt ein bisschen Dschungel-Feeling.
Als nächstes ging es nach Ucluelet, ca. 40km südlich von Tofino. Hier liefen wir ein kleines Stück den Wild Pacific Trail an der Küste entlang bis zum Leuchtturm. Wir waren fast alleine unterwegs und zum Glück war es mittlerweile noch ein paar Grad wärmer geworden. Da an dieser Stelle weder ein National- noch Provincial-Park ist, konnten wir zum ersten Mal die Drohne fliegen lassen, um spektakuläre Aufnahmen von den Klippen und den tosenden Wellen zu machen. Auf dem Heimweg hielten wir noch kurz am Wally Creek, einem Wildwasserfluss, über dem man auf großen Felsen rumklettern und Fotos machen kann.
Tag 5 Vancouver Island (Fahrt zur Südküste)
Wieder alles eingepackt und im Auto verstaut, steuerten wir als erstes die Englishman River Falls an. Der Wasserfall liegt in einem Provincial Park und stürzt ca. 20 Meter in eine enge Schlucht. Man kann den Wasserfall nur von oben (von einer Brücke aus) betrachten und sieht demzufolge nicht soviel davon, da er dann gleich zwischen den Felsen verschwindet. Wenn dann noch, wie bei uns, der Wasserfall am frühen Morgen halb im Schatten liegt, ist er wirklich nicht so spektakulär. Aber es gibt einen schönen ca. 1,5km langen Rundweg am Fluss entlang zu einem natürlichem Pool mit glasklarem Wasser.
Ganz in der Nähe der Englishman River Falls gibt es den Little Mountain Lookout. Man kann mit dem Auto bis nach oben fahren und hat einen Wahnsinns Ausblick über das grüne Tal und die umliegenden Berge. Wir würden sagen, dass das ein kleiner Geheimtipp für einen Aussichtspunkt ist. Gerade als wir wieder ins Auto steigen wollten, sahen wir im Wald ein paar Rehe, also stiegen wir nochmal aus und durften feststellen, dass da gerade zwei Rehkitze frisch geboren waren (die Rehmutter leckte die Kleinen gerade noch sauber). Matthias zückte das Teleobjektiv und machte tolle Wildlife Fotos.
Entlang des Highway 1 Richtung Süden kamen wir an Chemainus vorbei. Der kleine Ort ist für seine Wandmalereien an Hauswänden bekannt, die die Geschichte der lokalen Holzwirtschaft und Porträts der First Nations zeigen. Leider stehen viele Autos vor den Gemälden. Trotzdem lohnt es sich, einmal durch den Ort zu laufen. Weiter ging es nach Colwood, wo unser nächstes AirBnB auf uns wartete. Colwood liegt ca. 16km westlich von Victoria und die Unterkünfte sind etwas bezahlbarer als in der Hauptstadt. Nicht weit von unserer Unterkunft lag das Hatley Castle, ein beeindruckendes Herrenhaus aus dem frühen 20.Jahrhundert. Wir konnten zwar nicht reingehen, aber auch die Gärten ringsherum waren sehr schön. Zurück liefen wir durch den Royal Roads Forest und über die Coburg Peninsula, eine schmale Landzunge mit dem Meer zur einen und einer kleinen Lagune zur anderen Seite. Hier stehen interessante (Tier)Skulpturen aus Treibholz am Strand. Nun hatten wir doch schon wieder ziemlich viele Schritte auf der Uhr.
Tag 6 Vancouver Island (Whale Watching, Victoria)
Am Vormittag stand eine 4-stündige Whale Watching Tour mit Eagle Wing Tours in Victoria auf dem Programm. Wir hatten uns für eine Tour mit einem etwas größeren, halbüberdachten, Boot entschieden, da wir nicht wussten wie kalt es werden würde. Wir haben uns trotzdem gleich einen Platz vorne auf dem Deck gesichert. Nachdem wir aus dem Hafen raus waren, zog der Kapitän ordentlich die Geschwindigkeit an und wir fuhren Richtung US-Küste, da dort zuletzt Wale gesichtet wurden. Der Fahrtwind war wirklich sehr kalt und ich konnte trotz Sonnenbrille manchmal nicht die Augen aufhalten. Als wir uns ein paar Buckelwalen näherten, wurde das Boot wieder langsamer und wir konnten in Ruhe Ausschau halten. Wir sahen tatsächlich mehrere Buckelwale, die aber immer nur kurz auftauchten. Es war nicht einfach Fotos zu machen. Nach einiger Zeit fuhren wir weiter zu einer Stelle, wo Orcas gesichtet wurden. Auch hier hatten wir Glück. Wir konnten ein paar Orcas beobachten, wie sie ihre Kreise zogen, zwar nur aus ca. 200 Meter Entfernung, aber immerhin. An Bord waren mehrere Guides, die viel Fachwissen über die Wale erzählten und Fragen beantworteten. Zum Schluss fuhren wir noch zum Race Rocks, einer kleine Insel, wo zahlreiche Seelöwen und Robben auf den Felsen ihr Sonnenbad nehmen. Auf der Rückfahrt zum Hafen bin ich dann doch noch unter Deck gegangen, weil es mir zu kalt wurde. Ich frage mich im Nachhinein immer noch, ob es besser gewesen wäre, ein kleineres Schnellboot zu nehmen, aber ich denke auch, dass es ein Vorteil sein könnte, dass man von einem größeren (= höheren) Boot aus besser sehen kann.
Die Anlegestelle der Boote ist direkt an der Fisherman’s Wharf. Hier reihen sich farbenfrohe Hausboote, Imbissbuden und kleine Geschäfte aneinander. Nach der langen Bootstour gönnten wir uns erstmal eine Portion Fish & Chips, bevor wir uns auf zu einem Stadtrundgang durch Victoria machten.
Wir kamen am Parlamentsgebäude vorbei und spazierten durch die Fußgängerzone (Government Street). Besonders schön sind die Straßen um den Bastion Square. Hier ist der britische Einfluss besonders spürbar. Das Viertel „Chinatown“ hingegen ist überbewertet, da habe ich schon schönere/interessantere Chinatowns in anderen Städten gesehen. Aber es gibt eine spannende, sehr schmale Gasse, die Fan Tan Alley, die mit asiatischen Lampions dekoriert ist. Ein kulinarisches Highlight in Victoria war das Eis bei Chocolats Favoris. Das Softeis ist mit einer knackigen Schokoglasur überzogen und mit verschiedenen Toppings bestreut. Ziemlich teuer, aber sehr lecker. Zum Abschluss fuhren wir noch mit dem Auto zum Beacon Hill Park, wo wir von mehreren freilaufenden Pfauen lautstark begrüßt wurden. Die Pfaue sind an Menschen gewöhnt und lassen sich bereitwillig fotografieren. Insgesamt hat uns Victoria gut gefallen; es ist sehr überschaubar und innerhalb von wenigen Stunden zu erkunden.
Tag 7 Fahrt nach Whistler
Heute mussten wir Vancouver Island schon wieder verlassen. Auf dem Weg zur Fähre hielten wir noch kurz am Malahat Summit Viewpoint, wo man einen schönen Blick auf die umliegenden Wälder und in der Ferne die Bucht hat, aber es ist nichts Besonderes. Vielleicht hätten wir etwas weiter nördlich noch am Split Rock Lookout anhalten sollen, wo man etwas mehr von der Bucht sieht. Aber wir mussten ja zur Fähre, die pünktlich den Hafen von Nanaimo verließ. Bei strahlend blauem Himmel kamen wir wieder am Festland an und fuhren nun auf dem Highway 99 Richtung Whistler. Eigentlich wollten wir am Quercus Point einen Stopp machen, aber leider war der Parkplatz aufgrund von Bauarbeiten gesperrt und so fuhren wir zu den Shannon Falls. Da der Wasserfall vom Parkplatz aus schnell zu erreichen ist, war es schon gut voll. Man musste erst einmal warten bis man aus erster Reihe ein Foto machen konnte. Besonders gut sieht man den ca. 335m hohen Wasserfall vom zweiten Aussichtspunkt, der über ein paar Treppen erreichbar ist.
Weiter ging es zum Whistler Train Wreck. Hier gibt es einen schönen ca. 2,6km langen Wanderweg, der überwiegend flach durch einen Wald zu einer kleinen Hängebrücke und dann zu mehreren verlassenen Zugwaggons führt. Die Waggons liegen seit einem Zugunglück 1956 an dieser Stelle und werden regelmäßig als Graffiti-Leinwand genutzt. Am Anfang des Weges wurde auf Schildern vor Bären gewarnt, aber uns ist keiner begegnet.
Nach der kleinen Wanderung machten wir uns in Whistler auf die Suche nach unserem AirBnB, aber wir konnten einfach die Einfahrt zu der Wohnanlage „Lagoons“ nicht finden. Nach mehrmaligem im Kreis fahren und Chat mit dem Vermieter, haben wir das Apartment schließlich gefunden.
Tag 8 Whistler
Wenn schönes Wetter gewesen wäre, wären wir gerne mit der Whistler Village Gondola auf 1850m Höhe gefahren (das wäre die einzige geöffnete Gondel in Whistler gewesen), aber leider spielte das Wetter an diesem Tag so gar nicht mit. Deshalb hätte sich das teure Gondel-Ticket (wahrscheinlich) nicht gelohnt, also blieben wir im Tal und machten eine Wanderung zum Cheakamus Lake. Vom Parkplatz aus läuft man ca. 3,5km bis zum See, der bei Sonnenschein bestimmt noch schöner geleuchtet hätte. Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher zur Cheakamus River Suspension Bridge, die den reißenden Fluss überspannt. Tolles Fotomotiv!
Anschließend schauten wir uns Whistler Village an, das an ein kleines Alpendorf erinnert. Das gesamte Village ist eine reine Fußgängerzone und fast alle Gebäude sind holzverkleidet, überall gibt es Restaurants mit Außenterrassen und teilweise Live Music. Trotz des gemütlichen Charmes gehört Whistler zu den größten Wintersport-Zentren Nordamerikas. Am Olympic Plaza stehen die Olympischen Ringe als Symbol für die Olympischen Spiele von 2010.
Tag 9 Joffre Lakes und Fahrt nach Lillooet
Für den Joffre Lakes Provincial Park muss man online einen Day Pass buchen. Der Pass ist kostenlos. Zwei Tage vor dem geplanten Besuch werden um 7:00am Ortszeit auf der BC Parks Reservierungsseite die Pässe freigeschaltet. Es gibt ein tägliches Limit von 500 Personen. Wir hatten Glück und konnten unseren gewünschten Tag buchen. Und das hat sich wirklich gelohnt! Die Wanderung zu den Joffre Lakes war eine der schönsten unserer Reise! Insgesamt ist die Wanderung ca. 7,5km lang mit 480 Höhenmetern. Nur wenige Gehminuten vom Parkplatz entfernt, erreicht man bereits den Lower Lake. Danach geht es teilweise steil bergauf bis zum Middle Lake. Hier findet man das berühmte Fotomotiv des im See treibenden Baumstamms. Kurz hinter dem Middle Lake tauchte dann eins meiner Natur-Highlights auf: die Holloway Falls. Für mich einer der schönsten Wasserfälle in Westkanada, da er über mehrere Felsstufen nach unten fließt. Danach ist es nur noch ein guter Kilometer bis man zum Upper Lake gelangt. Auf 1580m Höhe war es dann doch ziemlich kühl und wir wollten uns nicht allzu lange aufhalten.
Weiter ging es Richtung Lillooet auf der Duffey Lake Road. Dieser Streckenabschnitt war landschaftlich einer der schönsten auf unserer Reise. Zunächst noch schlängeln sich die Serpentinen durch die grünen Berge, aber je näher man Lillooet kommt, umso mehr erwarten einen tiefe Canyons und eine trockene Halbwüstenlandschaft.
In Lillooet hatten wir das Bed & Breakfast „Lavender Lane“ für zwei Nächte gebucht. Da es so außergewöhnlich von seiner Gestaltung war, muss ich hier zwei Fotos davon posten. Alles (Innen und Außen) war in Lila gehalten.
Zum Abendessen gab es Pizza und Bier in der Lillooet Brewing Company. Sehr zu empfehlen! Gleich nebenan liegt die Old Bridge. Wenn man hier steht, kommt wirklich Goldgräber-Stimmung auf. Lillooet war um 1860 der Ausgangspunkt der historischen Cariboo Road. Von hier aus machten sich die Goldsucher auf den schweren Weg zu den nördlichen Goldfeldern.
Tag 10 Lillooet
In Lillooet gibt es nicht soviel zu tun oder anzuschauen und da wir nicht erst stundenlang irgendwohin fahren wollten, machten wir uns auf zum Red Rock Trail. Bei Alltrails wird der Weg als schwierig eingestuft und das bewahrheitete sich auch. Es geht auf 3,5km 560 Höhenmeter nach oben und das teilweise über loses Geröll. Ich war froh, dass ich mir im B&B noch Wanderstöcke ausgeliehen hatte. Unterwegs gibt es einen schönen Aussichtspunkt mit den typischen Kanada-Stühlen. Gerade als wir den Gipfel des Red Rock erreichten, trübte leider ein Regenschauer den Ausblick auf den Fraser River.
Am Nachmittag besuchten wir den Seton Lake Lookout. Es ist ein kurzer Spaziergang ohne viel Steigung und trotzdem hat man einen tollen Ausblick auf den See und die U-Kurve der Duffey Road. Angeblich heißt der Platz auch „Lulu Lookout“, weil die Kurve aussieht wie das Logo von Lululemon.
Tag 11 Fahrt nach Clearwater
Wir entschieden uns den Highway 97 über Clinton Richtung Clearwater zu fahren, anstatt über Kamloops. Auf dem Weg machten wir einen kurzen Abstecher zum Canyon „The Chasm“, wo wir in eine 300m tiefe Schlucht hinunter blicken konnten.
Weiter ging es zum Mount Begbie Lookout. Hier hat man von einer alten Feuerwache (erhöhtes Häuschen mit Infotafeln) einen tollen Blick über die Weite des Cariboo Plateaus.
Wenn man in Little Fort auf den Highway 5 abbiegt, kommt man am High Five Diner vorbei. Das Diner im 50er Jahre Retro Stil könnte glatt eine Filmkulisse darstellen. Für uns gab es stilecht Burger, Pommes und Milchshake.
In Clearwater hatten wir das Fieldstone Guesthouse gebucht, eine geräumige Ferienwohnung ganz in der Nähe des Wells Gray Provincial Parks. Da wir an verschiedenen Stellen gelesen hatten, dass auf der Hauptstraße des Provincial Parks hauptsächlich in der Abenddämmerung Wildtiere gesichtet werden, sind wir diese Straße gegen 21Uhr mehrere Kilometer ganz langsam abgefahren. Aber die einzigen Tiere, die wir gesehen haben, waren eine wunderschöne Eule und ein Reh. Wieder kein Bär oder Elch.
Tag 12 Clearwater (Wells Gray Provincial Park)
Der Wells Gray Provincial Park ist für seine mehr als 40 Wasserfälle bekannt. Der beeindruckendste ist der 141 Meter hohe Helmcken Falls, wo das Wasser senkrecht in einen großen Krater stürzt. Am frühen Morgen waren wir an der Aussichtsplattform noch fast alleine und konnten ausgiebig Fotos machen. Man kann dann noch ein Stück am Rande der Schlucht entlanglaufen und dabei immer wieder schöne Ausblicke auf den Wasserfall genießen. Ganz in der Nähe befinden sich die Dawson Falls (91 Meter breit). Der Anblick ist beeindruckend, da die Wassermassen mit solch einer Kraft über die Felskante stürzen. Zu guter Letzt besichtigten wir noch die Spahats Falls (ca. 75-80 Meter hoch). Auch hier hat man nach einem kurzen Fußweg einen tollen Blick über den Canyon und die steilen Felswände.
Für den Nachmittag hatten wir bei der Shook Ranch (in Vavenby, ca. 25km von Clearwater) einen Reitausflug gebucht. Wir waren die einzigen Gäste und konnten dadurch ganz entspannt den geführten Ausritt genießen. Begleitet wurden wir von der Chefin Sarah, einer Praktikantin (ihren Namen habe ich leider vergessen) und einem Hund, der den Pferden die ganze Zeit zwischen die Hufe rannte. Wir ritten eine Stunde über die Felder und Wiesen von Sarahs Rinderfarm, umgeben von einer tollen Bergkulisse. Die Pferde waren sehr gut ausgebildet und auch als Anfänger konnte man nicht viel falsch machen.
Auf dem Rückweg nach Clearwater machten wir noch einen Abstecher zu den Raft Cliffs. Hier befindet sich ein genialer Aussichtspunkt über der Schlucht des Raft Rivers. Kleiner Geheimtipp!
Tag 13 Fahrt nach Jasper
Da wir so gerne einmal einen Bären sehen wollten, beschlossen wir auf dem Weg nach Jasper die River Safari in Blue River zu buchen. Erstmal das Positive vorweg: wir haben im Flussbett eine Elchkuh (moose) gesehen. Nun das Aber: Natürlich kann niemand versprechen, dass tatsächlich Bären zu sehen sein werden, aber gehofft hatten wir es trotzdem und waren demzufolge etwas enttäuscht, zumal die Bootstour 135$ pro Person kostet. Zuerst fährt man mit einem ruhigen Katamaran auf dem Fluss, dann steigt man auf ein Schnellboot um, das so laut ist, dass ich mir schwer vorstellen kann, wie man damit die Tiere nicht verschrecken soll (es wird einem auch ständig erklärt, dass man ganz leise sein muss). Als die Elchkuh im Fluss stand, konnten wir mit dem Boot diese Stelle nicht passieren, deshalb warteten wir etwas abseits und warteten… Irgendwann setzte das Boot zurück (ohne Kommunikation mit den Gästen), dann warteten wir mitten auf dem Fluss weiter. Nach gefühlter Ewigkeit versuchten wir es nochmal. Diesmal war die Elchkuh weg und wir konnten durchfahren zu einer Stelle, wo sonst Bären seien, aber wir hatten nicht mehr viel Zeit übrig, also hieß es recht schnell „no luck today“ und wir fuhren zurück.
Wenn wir diese Bootstour nicht gemacht hätten, wäre ich stattdessen gerne im Mount Robson Provincial Park den Berg Lake Trail gewandert, aber dazu hatten wir dann leider keine Zeit mehr.
Kurz vor Jasper passierten wir die Grenze von Bristish Columbia zu Alberta und befanden uns nun auch in einer anderen Zeitzone. In Jasper fuhren wir direkt zum Pyramid Lake und hielten das berühmte Fotomotiv der kleinen Brücke zur Pyramid Island in allen erdenklichen Varianten fest. Auf der anderen Straßenseite erkundeten wir noch die kleine Anhöhung, wo zwei der typischen Red Chairs stehen, um sich für eine kurze Pause niederzulassen.
Nachdem wir in unser AirBnB in der Patricia Street eingecheckt hatten, ging es zum Abendessen ins Olive Bistro, wo es für Matthias mal wieder Burger und für mich eine vegetarische Bowl mit Süßkartoffel und Halloumi gab. Beides war sehr gut. Obwohl wir sehr zentral wohnten, hatten wir das Glück, dass genau in dem Teil der Straße kein paid parking war, denn das Parken direkt im Ort ist ziemlich teuer. Da es noch schönes Wetter war (und wir schon wussten, wie die Vorhersage für die nächsten Tage war), gingen wir kurzerhand noch beim neu errichteten Jasper Sign vorbei und fuhren anschließend noch zum Beauvert Lake. Hier steht das teure Resort „Fairmont Jasper Park Lodge“ (kann man sich ja mal anschauen). Am Bootshaus konnte man ein Stand-Up Paddle Board für 95$ pro Stunde ausleihen… ähm nein. Sehr niedlich waren die Columbian ground squirrel (eine Art Erdhörnchen) auf den Wiesen am See.
Tag 14 Jasper
Jasper liegt auf 1062m Höhe im gleichnamigen und zugleich größten Nationalpark der kanadischen Rocky Mountains. Bei Alltrails hatte ich eine kurze Rundwanderung am Südufer des Patricia Lake rausgesucht, die einen Platz mit den roten Canada Chairs zum Ziel hatte. Der Ausblick (auf den Cottonwood Sumpf) war sehr schön, der Weg an sich war nichts Besonderes. Auf der Pyramid Lake Road begegneten wir einer Cow Elk (Wapiti). Dieser Teil von Jasper ist vom verheerenden Waldbrand 2024 verschont geblieben.
Im Gegensatz zu dem Gebiet, wo wir nun hinfuhren: der Old Fort Point. Es sieht hier wirklich apokalyptisch aus und macht einen traurig. Soviele verbrannte Flächen. Doch am Boden sprießen bereits neue, frische Gräser. Die Stadt setzt auf eine natürliche Waldgeneration und pflanzt nur an wenigen Stellen künstlich neue Bäume an. Der ca. 4km lange Rundweg führte uns zunächst auf einen großen Hügel, von dem man gut sehen kann, wieviel in der Stadt und in der Umgebung gerade wiederaufgebaut wird. Viele Menschen leben immer noch in provisorischen Container- der Wohnmobilsiedlungen. Weiter geht der Weg vorbei an den verkohlten Pappeln und Nadelbäumen. Hier und da zeigt sich ein gelbes Blümchen am Boden und man stellt sich vor, wie es hier wohl mal ausgesehen hat.
Gegen Abend fuhren wir ein Stück die Maligne Lake Road entlang, um vielleicht noch auf ein paar Tiere zu treffen. Vor allem am Anfang der Strecke ist auch hier der Wald stark verbrannt und der Maligne Canyon ist immer noch geschlossen. Am Medicine Lake stiegen wir kurz aus und durften am Ufer, auf den Felsen, mehrere putzige Murmeltiere beobachten (ein sehr großes Tier habe ich leider mit meinem überraschten „Ooohhhh“ verschreckt). Immer wieder trafen wir auf andere TouristInnen, die uns begeistert erzählten, dass sie eben gerade einen Bären gesehen haben. Wir konnten es nicht fassen. Nun ja. Wir erspähten dann noch eine Gruppe junger Wapiti-Hirsche am Wegesrand.
Ich möchte noch erwähnen, dass wir in Jasper ganz bewusst nicht zum Maligne Lake gefahren sind, da uns die viel umworbene Bootsfahrt zur Spirit Island einfach zu teuer war.
Tag 15 Icefields Parkway
Bei Nieselregen und kaum mehr als 10 Grad starteten wir unsere Fahrt nach Süden auf dem legendären Icefields Parkway. Auf über 230km verbindet er den Banff-Nationalpark mit dem Jasper-Nationalpark und schlängelt sich einmal durch die Rocky Mountains.
Unser erster Stopp waren die Athabasca Falls. Der Regen hatte kurz aufgehört, aber es war Grau in Grau. Bereits am Parkplatz ist das laute Tosen des Wasserfalls zu hören, auch hier stürzen sich wieder gewaltige Wassermassen in die Tiefe. Es gibt mehrere Aussichtspunkte und man kann ca. 30 Minuten Zeit hier verbringen.
Die Fahrt ging weiter zum Athabasca Glacier bzw zum Fuße des Gletschers, wo man kostenlos und ohne eine Tour einen Blick auf das untere Ende des Gletschers werfen kann. Hier wollte nur Matthias aussteigen, mir war es in dem Moment (auf 2000m Höhe) zu kalt und ungemütlich und man konnte auch wirklich nicht besonders weit gucken. Matthias machte sich mit dünnen Turnschuhen auf zum Gletscher und kam durchgefroren, aber mit ein paar schönen Fotos nach ca. 20 Minuten wieder zurück. Der Athabasca Gletscher gehört zum Columbia Icefield, welches eine der größten Ansammlungen von Eis südlich des Polarkreises ist. Von der Gletscherzunge bis zum Highway stehen Schilder mit Jahreszahlen, die anzeigen wie stark der Gletscher im Laufe der Jahrzehnte (seit 1890) bereits abgeschmolzen ist.
Nur wenige Kilometer weiter, auf der anderen Seite des Gletschers, liegt der Wilcox Pass Trail. Diesen konnten wir aber nur bis kurz hinter den Red Chairs gehen, da auf 2160m Höhe noch recht viel Schnee lag und der Weg nicht zu sehen war. Aber auch von diesem Punkt hatte man einen guten Blick auf den Athabasca Gletscher.
Athabasca Falls
Athabasca Glacier
Wilcox Pass Trail
Wilcox Pass Trail
Auf dem Icefields Parkway kann man alle paar Kilometer an einem Aussichtspunkt oder Wanderweg anhalten. Noch schöner wäre es wahrscheinlich bei Sonnenschein gewesen, aber wir machten das Beste draus und versuchten uns die schönsten Spots rauszupicken. Dazu gehörte auch der Mistaya Canyon. Das ist eine beeindruckende Schlucht aus Kalkstein, die der reißende Fluss glatt geschliffen und teilweise große Strudellöcher ausgewaschen hat. Man kann hier auf den Felsen nah am Rand der Schlucht entlanglaufen und tolle Fotos machen.
Unser Highlight entlang der Strecke war definitiv der Peyto Lake. Der Weg vom Parkplatz ist nicht mal 1km lang, aber es war teilweise so vereist, dass TouristInnen mit Sandalen(!) den Weg blockierten und es sich staute. Die Farbe des Gletschersees ist tatsächlich genauso leuchtend Türkisblau wie man es von den Fotos kennt (no filter). Auf der Aussichtsplattform war es ziemlich voll und man musste erstmal warten bis man ganz nach vorne ans Geländer kam, aber dann war der Ausblick genial.
Nun mussten wir aber wirklich ohne weiteren Zwischenstopp noch 120km bis nach Golden fahren, da wir bis 18:00Uhr am AirBnB (im Wald) sein mussten.
Tag 16 Golden, Lake Louise, Lake Moraine
Auf dem Weg zum Kicking Horse Mountain Resort hielten wir kurz an der Kicking Horse Bridge im Zentrum von Golden an. Die Fußgängerbrücke ist Kanadas längste freistehende Holzrahmenbrücke. Die umliegenden Uferwege sind sehr gepflegt und laden zum Spazieren ein.
Ich hatte extra noch nachgeschaut, ob die Gondel am Kicking Horse Mountain Resort schon für den Sommerbetrieb geöffnet hatte (ab dem 30.05.26), allerdings hatte ich wohl überlesen, dass das in der Early Season nur von Freitag bis Montag der Fall ist. Wir standen also vor einer geschlossenen Seilbahnstation und alles war wie ausgestorben. Was nun?!? In der Gegend um Golden gab es erstmal nicht soviel Interessantes zu tun. Im benachbarten Glacier Nationalpark war wegen Schnee auch noch vieles gesperrt und die Golden Skybridge war uns zu teuer. Ich hatte zum Glück das Shuttle für den Lake Louise & Lake Moraine für zwei verschiedene Tage als back-up reserviert und den einen Tag noch nicht storniert. Also fuhren wir die 85km zum P&R Parkplatz in Lake Louise, wo wir für 15:00Uhr ein Shuttle reserviert hatten. Das ist schon eine recht späte Uhrzeit und uns war klar, dass wir uns an beiden Seen nicht lange aufhalten können, da das letzte Shuttle um 19:30Uhr zurückfährt.
Wir waren etwa 15:45Uhr am Lake Moraine. Und mit uns hunderte andere TouristInnen. Wir gingen die paar Stufen zum Aussichtspunkt Rockpile hinauf. Der See und die Bergkulisse sind sehr malerisch, aber da der Himmel grau war, hatte er nicht die berühmte türkise Färbung wie z.B. der Peyto Lake. Aber nicht nur das schlechte Wetter trübte den Ausblick, sondern auch der Lärm der anderen TouristInnen. Es war unglaublich, in welcher Lautstärke das zwanzigste Instagram-Foto gemacht wurde. Wir gingen recht schnell wieder zum (Connector)Shuttlebus, um weiter zum Lake Louise zu fahren. Hier war es, wahrscheinlich aufgrund der späteren Uhrzeit, etwas leerer. Aber von der Optik her kann der Lake Louise nicht beim Lake Moraine mithalten. Obwohl wir nicht mehr viel Zeit hatten, machten wir uns auf den Weg zum Lake Agnes Tea House. Eigentlich war fast klar, dass wir die 4km hoch und 4km runter nicht schaffen würden, aber wir wollten es versuchen. Wir schafften es nur bis zum Mirror Lake (ca. 3.2km) und da wir nicht riskieren wollten, das letzte Shuttle zu verpassen, kehrten wir um. Rückblickend muss ich sagen, dass es besser gewesen wäre, die 1,2km zum Fairview Lookout zu gehen, da hätte man zwar einen steilen Aufstieg gehabt, aber einen schönen Blick über den See und das Fairmont Chateau. Insgesamt müssen wir sagen, dass uns der ganze Ablauf mit dem Shuttlebus (Einsteigen – Aussteigen – Anschauen – Einsteigen – Aussteigen), sowie die Menschenmengen, viel zu touristisch (zu kommerziell) waren und die festen Abfahrtzeiten der Shuttles machen den Besuch nicht ganz so individuell möglich.
Moraine Lake
Moraine Lake
Lake Louise
Mirror Lake
Tag 17 Golden, Wapta Falls
Wir wollten es doch nochmal beim Kicking Horse Mountain Resort versuchen. Diesmal fuhr die Gondel zwar, aber an der Talstation sagte man uns, dass oben auf dem Gipfel (ca. 2300m) die Wanderwege noch geschlossen seien, weil noch zu viel Schnee liege. Den Terminator Peak Trail wären wir gerne gelaufen. Aber 74$ für die Gondel zu zahlen, um dann „nur“ die Aussicht zu genießen und wieder runter zu fahren, war uns doch etwas zu teuer. Wir schauten auf die Karte und da wurde noch der Gorman Lake Trail in der Nähe vorgeschlagen und mit tollen Bildern beworben. Wir machten uns auf den Weg. Schon allein die Zufahrtsstraße hatte nichts mit einer „Straße“ zu tun. Immer wieder mussten größere Steinbrocken umfahren werden, ohne aber den Abhang hinunterzustürzen. Als dann aber auch noch immer mehr Schnee dazu kam, wendeten wir an der einzigen Stelle, wo es möglich war und kehrten um. Schade!
Etwas enttäuscht peilten wir als nächstes Ziel die Wapta Falls im Yoho Nationalpark an. Und die waren wirklich toll! Der Weg dorthin ist ein kurzer Spaziergang (ca. 2,2km) durch einen schönen Wald, manchmal etwas matschig, aber insgesamt einfach zu gehen. Es waren nur wenige Leute unterwegs. Zuerst kann man von einer erhöhten Stelle den 150m breiten Wasserfalls von oben betrachten, bevor man einen schmalen Pfad zum Flussbett hinunter gehen kann. Hier hat man auch nochmal einen tollen Blick auf den Wasserfall und die dahinter liegende Bergkette. An heißen Tagen ist es bestimmt erfrischend auf den großen Sandhügel zu klettern und sich in der Gischt zu erfrischen. Wir sind da lieber in der Distanz geblieben. Aber wir hatten das Glück einen Regenbogen zu sehen.
Auf dem Rückweg nach Golden hielten wir am Golden Hill Lookout. Von hier hat man einen super Ausblick auf die Stadt, das Tal und die schneebedeckten Gipfel der Rocky Mountains. Der Hügel mit den Picknickbänken ist unterhöhlt von zahlreichen, pfeifenden Prairiedogs.
Tag 18 Emerald Lake, Marble Canyon, Canmore
Auf den 160km nach Canmore lagen wieder einige Highlights auf dem Weg. Gegen 9:30Uhr waren wir am Emerald Lake im Yoho Nationalpark. Schon um diese Uhrzeit war der sehr kleine Parkplatz voll und wir mussten am Straßenrand parken, aber trotzdem nicht mehr als 5 Minuten laufen. Eine beliebte Aktivität auf dem smaragdgrünen (emerald) See ist das Kanufahren. Der Verleih kostet hier 100$ pro Stunde, zwar günstiger als am Lake Louise, aber wir wollten lieber Wandern gehen. Der 5,2km lange Rundweg führt einmal komplett um den See und je weiter man sich vom Steg bzw der Lodge entfernt, desto leerer wird es. Wir waren gerade losgelaufen, da sahen wir auf der anderen Uferseite, also ca. 200m entfernt, zwei kleine Schwarzbären. Matthias zückte schnell das Teleobjektiv und konnte damit unsere erste (und einzige) Bärensichtung festhalten. Besonders schön fanden wir es am nördlichen Ufer des Emerald Lakes, da hier freie Sicht auf den See ist und auch ein paar Bänke stehen. Wir haben für den gesamten Weg, inklusive Fotostopps und Pausen, ungefähr 2 Stunden gebraucht. Als wir wieder wegfuhren, standen die PKW bereits mehr als 1km die Straße runter.
Emerald Lake
Einfach weil man wirklich direkt daran vorbeifährt, sollte man einmal kurz an der Natural Bridge anhalten. Hier hat der Fluss über tausende von Jahren ein Loch in den Felsen gegraben, wo nun das Wasser durchströmt (wie unter einer Brücke). Leider haben wir diese „besondere“ Felsformation gar nicht wahrgenommen und nur Fotos vom strömenden Fluss gemacht, bevor er die Brücke erreicht. Wahrscheinlich waren zu viele Menschen um uns herum.
Am Highway Nähe Lake Louise nahmen wir die Abzweigung zum Bow Valley Parkway, weil das die landschaftlich schönere und ruhigere Strecke Richtung Banff ist. Eine große Empfehlung für einen kurzen Halt ist die Morant’s Curve. Hier hat man ein Bilderbuch-Panorama und wenn man etwas wartet sogar mit durchfahrendem Zug.
Da wir uns schon im Vorfeld gegen den berühmten Johnston Canyon entschieden hatten (viel zu überfüllt), wollten wir stattdessen den Marble Canyon im Kootenay Nationalpark besuchen. Hier führt ein ca. 1,5km langer Weg an einer Kalksteinschlucht entlang. Auf mehreren Brücken kann man an verschiedenen Stellen die Schlucht überqueren und immer wieder bis zu 40 Meter in die Tiefe auf das rauschende Gletscherwasser schauen. Am Ende des Weges gibt es auch wieder die obligatorischen Red Chairs. Man läuft zwar nicht wie beim Johnston Canyon unten durch die Schlucht, sondern oberhalb, aber dafür ist der Marble Canyon viel leerer und ruhiger.
Nun ging es auf direktem Weg nach Canmore. Hier hatten wir ein AirBnB Appartment in der Falcon Crest Lodge. Das war die teuerste Unterkunft auf der ganzen Reise und es war nur ein Zimmer. Zu Fuß machten wir uns auf den Weg nach Downtown. Es ist einfach so schön und entspannt in Canmore! Die Kleinstadt ist umgeben von Bergen, hat stylische Lodges im Alpinstil und eine lebendiges Zentrum mit Restaurants, Shops, Brauereien und Galerien. Auf der Main Street (8th street) gibt es bei „AL’s Chimney Cake“ eine außergewöhnliche Kombination aus Softeis und Baumstriezel. Wir machten dann noch einen Spaziergang über den „Policeman’s Creek Boardwalk“, wo man auf einem Holzsteg entlang des Baches durch das sumpfige Feuchtgebiet läuft. Tolle Kulisse!
In unserer Unterkunft hing an der Wand ein Bild der Berggipfel „Three Sisters“ mit der berühmten Wasserspiegelung. Das wollten wir auch fotografieren! Also fuhren wir kurz vor Sonnenuntergang zum Three Sisters Viewpoint. Erstmal waren wir etwas überrascht, dass das Wasser vor der Bergkette kein großer See, sondern nur ein kleiner Tümpel war (so können Fotos täuschen). Trotzdem war der Anblick magisch. Die Berge haben sich perfekt im ruhigen Wasser gespiegelt. Allerdings war hier großer Mückenalaram.
Tag 19 Banff
Banff ist eine Kleinstadt mit nur knapp 8400 Einwohnern, aber die tatsächliche Anzahl an Menschen vor Ort ist um einiges höher, da jährlich ca. 4,5 Millionen Touristen in die Stadt strömen. Einer der Gründe dafür ist die Nähe zum Lake Louise & Lake Moraine und den zahlreichen Postkartenmotive in den Rocky Mountains.
Wir wollten vor allem Wandern und dafür hatten wir uns den Tunnel MountainTrail ausgesucht. Landschaftlich war das eine der schönsten Wanderungen auf unserer Reise. Auf 4,7km (Hin und Zurück) wandert man auf den 1692m hohen Tunnel Mountain. Wenn man sich die ersten 300m sparen möchte, parkt man am oberen Parkplatz, der allerdings etwas kleiner ist. Vom unteren Parkplatz erreicht man nach gut 2,4km den Gipfel und wird mit einer atemberaubenden Aussicht auf Banff und das Bow Valley belohnt.
Da uns die Banff Gondola zu teuer und Sunshine Meadows noch geschlossen war, beschlossen wir am Mount Norquay mit dem Sessellift nach oben zu fahren. Zwischen 5 und 10 Minuten (je nachdem wieviele Personen ein- und aussteigen) beträgt die Fahrzeit von 1711m auf 2085m Höhe. Oben angekommen hat man einen fantastischen Panoramablick auf Banff, das Bow-Tal und den Mount Rundle. Wenn man nicht ins Cliffhouse Bistro oder auf den Klettersteig Via Ferrata möchte, kann man nicht viel mehr machen als die Aussicht genießen, aber die ist wirklich herrlich. Außerdem ist es hier nicht so überlaufen wie auf dem gegenüberliegenden Sulphur Mountain, zu dem man mit der teuren Banff Gondola fahren kann.
Nun wollten wir uns Banff Downtown etwas genauer anschauen. Wir ergatterten einen kostenlosen Parkplatz am Bahnhof, wenn auch über eine nicht ganz offizielle Zufahrt. Von dort sind es nur wenige Minuten zu Fuß bis zur berühmten Banff Avenue. Hier gibt es ein Restaurant neben dem anderen, aber auch zahlreiche Geschäfte, wie z.B. The Spirit Of Christmas, wo auf mehreren Etagen unzählige Weihnachtsartikel verkauft werden. Auf der Banff Avenue kann man wunderbar Souvenirs kaufen oder einfach nur Schlendern. Aber im Hochsommer will man hier wohl eher nicht sein. Wir steuerten die Cascade of Time Gardens (Cascade Gardens) am südlichen Ende der Avenue an. Die hübsch angelegte Gartenanlage ist ein guter Aussichtspunkt auf die Banff Avenue und den mächtigen Cascade Mountain. Man sollte auch einen Blick auf die Gärten hinter dem Verwaltungsgebäude werfen, aber wir hatten zu großen Hunger und suchten erstmal ein Restaurant. Von der Straße aus sahen wir die Dachterrasse des Elk & Oarsman. Das Restaurant ist im Erdgeschoss eine typische Sportsbar, aber oben auf der Dachterrasse geht es entspannter zu und die Burger waren auch nicht schlecht.
Gut gestärkt fuhren wir zum Surprise Corner Viewpoint, von wo man einen guten Blick auf das historische Luxushotel Fairmont Banff Springs vor der Kulisse der Rocky Mountains hat. Wir finden das der Blick etwas weiter vorne an der Straße sogar noch besser ist, da hier der rauschende Bow River unterhalb des Hotels ins Bild kommt.
Was ich mir bei einem nächsten Banff Besuch eventuell noch anschauen würde, sind die Cascade Ponds, da dieses Seengebiet auf Bildern sehr idyllisch aussieht, aber davon habe ich erst nach unserer Reise erfahren.
Auf dem Rückweg nach Canmore haben wir noch den Quarry Lake besucht, welcher den Cascade Ponds wahrscheinlich recht ähnlich ist. Wir hatten Glück, dass gerade keine SUP’s auf dem Wasser waren, sodass wir die tolle Spiegelung der Berge sehen konnten.
Tag 20 Kananaskis und Calgary
Ursprünglich wollten wir noch zu den Grassi Lakes, allerdings wurde ein paar Tage zuvor die Straße aufgrund eines Erdrutsches gesperrt. Deshalb fuhren wir an den Barrier Lake im Kananaskis Country. Hier benötigt man nochmal extra den Kananaskis Conservation Pass (15$ pro Fahrzeug). Im Vergleich zum Banff Nationalpark ist hier viel weniger los und die Landschaft ist mindestens genauso beeindruckend. Der Barrier Lake ist ein Stausee am Kananaskis River, dessen Wasserstand je nach Zufluss und Betrieb des Damms schwanken kann. Bei uns war er nicht so hoch. Wir wollten den Prairie View Trail laufen, fanden den Weg aber nicht so schön und sind dann nach dem ersten steilen Anstieg nach Westen abgebogen und und in einer Schleife über den Stoney Trail zurückgelaufen. Viel schöner fanden wir die Aussicht auf der gegenüberliegenden Seite des Sees, am Barrier Lake Lookout. Vom Parkplatz bis zum Aussichtspunkt sind es nur 500m und man kann sowohl auf der einen Seite auf den Barrier Lake, als auf der anderen Seite auf das wunderschöne Kananaskis Valley blicken.
Da uns die Landschaft entlang des Highway 40 so gut gefallen hat, sind wir noch ein paar Kilometer weiter südlich gefahren bis zu den Mount Lorette Ponds. Hier gibt es zwei kleine Teiche mit kristallklarem Wasser, die gerne zum Angeln genutzt werden. Die Teiche werden regelmäßig von der Provinz mit Forellen besetzt (put-and-take-fishery). Wenn man sich einmal kurz die Beine vertreten möchte, sollte man unbedingt hier anhalten.
Um nach Calgary zu kommen, wurde uns der Highway 68 als „interessante Alternative zu den größeren Hauptverkehrsstraßen“ vorgeschlagen. Nur leider hat niemand gesagt, dass der größte Teil der Strecke eine staubige Schotterpiste ist, auf der man ungefähr doppelt so lange braucht. Nun ja, irgendwann waren wir dann wieder auf dem Trans-Canada Highway und erreichten Calgary.
Hier machten wir eine interessante Erfahrung mit dem kanadischen Pfandsystem. Wir hatten in British Columbia nur einmal einen Supermarkt gefunden, der Pfandflaschen zurückgenommen hat und seitdem hatten sich wieder einige Flaschen angesammelt. In Alberta muss man seine Flaschen zu einem Bottle Deposit bringen, also fuhren wir ins Industriegebiet zu einer vom Vermieter genannten Adresse. Dort stehen mehrere MitarbeiterInnen an sehr lauten Fließbändern und sortieren die Flaschen, woraufhin man das Geld ausgezahlt bekommt. Ich glaube, wir haben 3$ zurückbekommen 🙂
Wir hatten uns für die letzte Nacht ein AirBnB auf halber Strecke zwischen Downtown und Flughafen ausgesucht. Das Apartment war zwar auch wieder halb im Souterrain gelegen (wie mehrere unserer Unterkünfte), aber es war eins der schönsten und das günstigste der ganzen Reise. Nach einer kurzen Verschnaufpause wollten wir uns noch die Skyline von Calgary im Abendlicht bzw. bei Nacht anschauen. Dazu fuhren wir auf den Crescent Hill, wo man eine wunderbare Aussicht auf die architektonisch sehr unterschiedlichen Wolkenkratzer der Stadt hat. Außerdem machten wir noch einen Abstecher zum Scotsman’s Hill auf der östlichen Stadtseite, wo man den farbig beleuchteten Tower und den Saddledome (Sportarena) sehen kann. So kann man den Abend ausklingen lassen.
Tag 21 Calgary
Von unserer Unterkunft konnten wir problemlos mit dem Bus in die Innenstadt fahren. Wir stiegen am Harmony Park aus und liefen zur Wonderland Sculpture. Der 12 Meter hohe Kopf eines Mädchens mit geschlossenen Augen besteht aus einem filigranen Stahlgeflecht und steht sinnbildlich für Fantasie, Träume und Vorstellungskraft. Als nächstes wollten wir den Olympic Plaza besichtigen, allerdings ist dieser aktuell eine einzige Baustelle und wird wohl erst 2028 wiedereröffnet.
Auf der Stephen Avenue und in den umliegenden Straßen kann man gut den Kontrast in der Architektur sehen: historische Gebäude stehen unmittelbar neben modernen Bürotürmen. Ein Teil der Stephen Avenue ist Fußgängerzone, hier gibt es mehrere Restaurants, die Shopping Mall CORE, aber auch Obdachlose. Auch in Calgary ist die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum größer als das Angebot. Insgesamt fanden wir die Innenstadt fast etwas ausgestorben. Obwohl es ein sonniger Vormittag war, waren nur wenige Menschen unterwegs.
Anschließend schlenderten wir zur Peace Bridge. Die spiralförmige Fußgängerbrücke könnte mal einen neuen Anstrich vertragen, ist aber dennoch eine interessante Konstruktion. Direkt daneben kann man über eine andere, kleinere Brücke, die Prince’s Island erreichen. Auf der Insel befindet sich ein ca. 20 Hektar großer Stadtpark mit Wiesen, Blumenbeeten, Spielplätzen und einem Café. Die Flussufer sind ein beliebter Aufenthaltsort für Gänse und Enten, dementsprechend sehen auch manche Wege aus. Trotzdem kann man hier schön spazieren gehen (oder Fahrradfahren), immer wieder mit Ausblick auf die Skyline der Stadt. Damit endete unser kurzes Sightseeing in Calgary und wir machten uns auf zum Flughafen, um die Heimreise anzutreten.
Wenn wir noch etwas mehr Zeit in Calgary verbracht hätten, hätten wir uns gerne noch das Villenviertel Mount Royal angeschaut und wären zum Heritage Park in einem Vorort von Calgary gefahren.
Route
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