Madeira
Wohin im November verreisen, wenn man nicht 8 Stunden oder mehr im Flieger sitzen möchte?! Da kam uns Madeira in den Sinn, vor allem auch, weil man da gut Wandern kann.
Gesagt, getan. Flüge, Mietwagen und ein AirBnB in Funchal gebucht .
Ein Tipp bezüglich des Mietwagens: nehmt euch einen Wagen mit ein paar mehr PS. Wir hatten bei den steilen Straßen ganz schön zu kämpfen. Unser AirBnB lag etwas oberhalb der Altstadt von Funchal, ca. 10min Fußweg bis zur Rua de Santa Maria. Die Wohngegend war nicht ganz so schön, aber wir hatten vom Balkon einen tollen Blick auf den Hafen und konnten die zahlreichen Kreuzfahrtschiffe beobachten.
Tag 1
Als erstes ging es an die Nordküste nach Porto Moniz. An diesem Küstenabschnitt kann man großartige Wellen bestaunen, die sich an den schroffen Felsen brechen. Sehr guter Fotospot! Porto Moniz ist bekannt für seine natural pools, die sich aus vulkanischer Lava geformt haben. Mit einer Wassertemperatur von ca. 20 Grad laden die Becken zum Baden ein, aber da die Außentemperatur nicht viel höher und es sehr windig war, haben wir uns nicht getraut. Bei unserem Besuch im November 2024 waren die Piscinas Naturais do Aquário kostenlos, ob das immer noch so ist, können wir nicht sagen. Dahingegen kosten die Piscinas Naturais de Porto Moniz (300m weiter westlich) 3€ Eintritt und sind eher wie ein Freibad angelegt (mit Duschen und Sonnenliegen).

Anschließend fuhren wir nach Fanal zum „Nebelwald“. Das Wetter war zwar trüb, aber Nebel hatten wir nicht. Wir fanden den „Wald“ nicht so spektakulär und es war schwer Fotos von den Bäumen ohne Menschen zu machen. Von dort aus starteten wir den Wanderweg PR 13 Vereda do Fanal. Der Weg ist bei Regen etwas rutschig, aber landschaftlich wunderschön, da er durch einen mystischen Lorbeerwald führt.
Tag 2
Heute hatten wir uns den Wanderweg PR 6.3 Vereda da Lagoa do Vento vorgenommen. Im November 2024 war der PR 6.3 noch gebührenfrei. Seit 2026 kosten alle PR-Wanderwege 4,50€ pro Person (ab 12 Jahren). Ob und wie das kontrolliert wird, wissen wir nicht.
Der Parkplatz in Rabaçal war schon gegen 10:00Uhr überfüllt, weshalb wir etwas weiter hinten am Straßenrand parkten. Somit mussten wir erstmal 15 Minuten bis zum eigentlichen Start der Wanderung laufen. Der PR 6.3 führt an einer der zahlreichen Levadas entlang. Das Ziel des recht kurzen Weges ist die Lagoa do Vento, wo wir von einem schönen Wasserfall empfangen wurden. Auf den Steinen vor dem Wasserfall machten wir eine Pause und beobachteten amüsiert, wie die Spatzen Brotkrümel von unserer Hand pickten. Die Wanderung hat sich auf jeden Fall gelohnt und war (Berichten zufolge) nicht so überlaufen wie der PR 6 Levada das 25 Fontes. Wir haben die Strecke mit dem PR 6.2 Levada do Alecrim kombiniert, sodass es ein Rundweg war. Insgesamt waren wir knapp 3h unterwegs.
Da sich die Sohle von Matthias‘ Wanderschuhen gelöst hatte, machten wir noch einen Abstecher zu Decathlon und fuhren dann zurück in die Unterkunft.
Tag 3
Die Wettervorhersage für den Vormittag war gut, deshalb fuhren wir zum Küstenabschnitt Fajã dos Padres, der nicht umsonst auch als „Garten Eden“ bezeichnet wird. Man kommt nur mit einer steilen Seilbahn dorthin. Unten angekommen läuft man durch üppige Bananenstauden zu einem ruhigen Kiesstrand. Hier befindet sich ein kleines Restaurant, wo man herrlich unter Palmen sitzen und leckeren Nikita trinken kann, inklusive Eidechsenviewing.
Da wir schon in der Nähe waren, fuhren wir noch zum Cabo Girao, genauer gesagt zur gläsernen Aussichtsplattform oberhalb der Steilküste. Man hat einen schönen Ausblick, aber es ist kostenpflichtig und sehr touristisch.
Im Anschluss ging es weiter in das Fischerdörfchen Câmara de Lobos. Wir machten einen Spaziergang am Hafen, aber leider lagen im November nicht mehr viele Boote im Wasser. Trotzdem kann man ein paar schöne Fotos machen. Am Abend landeten wir durch Zufall in einem Restaurant im Westen von Funchal, dort wo die großen Hotels stehen. Nach dem Essen schauten wir uns noch den geschlossenen, aber beleuchteten Bereich des Complexo Balnear do Lido an. Das ist ein großes Schwimmbad direkt am Atlantik mit Meerwasserbecken und Sonnenterrassen. Beim nächsten Madeira Urlaub würden wir den Badekomplex gerne einmal besuchen.
Tag 4
Heute stand der Wanderweg PR9 Levada de Caldeirão Verde auf dem Programm. Dieser Weg war bereits im November 2024 gebührenpflichtig (3,50€ pro Person). Auf der ca. 12km langen Wanderung läuft man auf schmalen Wegen an den Levadas entlang. Auf der einen Seite tropft das Wasser von den moosbewachsenen Felswänden, auf der anderen Seite blickt man in das saftig grüne Tal. Zwischendurch müssen ein paar dunkle Tunnel durchquert werden. Wir haben das Handylicht genutzt, aber eine Taschenlampe wäre besser gewesen. Außerdem sind die Tunnel teilweise sehr niedrig, sodass man auf seinen Kopf aufpassen muss. Das Ziel der Wanderung ist ein ca. 110m hoher, schmaler Wasserfall, wo sich schon um die Mittagszeit viele Wanderer für eine Pause niedergelassen hatten. Leider ist die Wanderung kein Rundweg und es kommen immer wieder viele Leute entgegen, sodass man häufig anhalten muss, um aneinander vorbeizukommen.
Abends statteten wir in Funchal der traditionellen Markthalle, Mercado dos Lavradores, einen Besuch ab und bestaunten das große Obstangebot. Aber mehr als zum Anschauen ist das nichts, da es viel zu teuer ist.
Tag 5
Am frühen Morgen machten wir uns auf zur Ostspitze der Insel, um den Wanderweg PR8 Vereda da Ponta de São Lourenço zu erkunden. Die Halbinsel São Lourenço ist vulkanischen Ursprungs und die Vegetation eher karg. Vielmehr befindet man sich hier in einer rauen Felslandschaft mit schroffen Klippen. Der Weg führt über holprige, unebene Pfade und man muss ein paar Treppenstufen überwinden. Nach etwa 3km gelangt man zu einer kleinen „Oase“, der Casa do Sardinha, ein kleines von Palmen umgebenes Café mit Kuchen, Getränken und einer Toilette. Von hier aus könnte man noch über einen steilen Weg zum Pico do Furado wandern (ca. 120 Höhenmeter), aber das haben wir ausgelassen, da die Aussicht auch so schon sehr schön war. Diese Wanderung ist kein Rundweg, sodass man den gleichen Weg zurücklaufen muss. Auf dem Rückweg nach Funchal machten wir noch einen Stopp in Machico, um dort in einem Restaurant an der Promenade etwas zu essen.
Tag 6
Eins der Highlights in Funchal ist eine Seilbahn, die nach Monte fährt. Monte ist eine auf ca. 600-800m Höhe gelegene Gemeinde. Während der ca. 20-minütigen Seilbahnfahrt hat man einen tollen Blick auf die Stadt und das Meer. Oben angekommen gingen wir direkt zum Tropischen Garten Monte Palace Garden. Hier gibt es unzählige Pflanzenarten, vor allem die hübschen Strelitzien und man kann einen gemütlichen Spaziergang machen. Besonders gut haben uns die chinesischen und japanischen Gärten gefallen. Am westlichen Rand der Gartenanlage kann man in der niedlichen Poncha Bar etwas trinken. Außerdem kann man hier einen Blick auf die hinabsausenden Korbschlitten, die Carrinhos de Cesto, werfen. Diese werden von zwei weiß gekleideten Carreiros gesteuert. Diese Attraktion haben wir uns allerdings gespart.
Nachdem wir mit der Seilbahn wieder zurück in die Altstadt gefahren sind, gingen wir zum Hafen, um uns einmal die riesigen Kreuzfahrtschiffe aus der Nähe anzuschauen. Natürlich mussten wir dort auch das obligatorische Foto von der Ronaldo Statue machen. Anschließend besuchten wir das historische Zentrum von Funchal, welches sich um die katholische Kathedrale Sé erstreckt. Dieser Stadtteil ist wirklich total zu empfehlen! Wenn wir nochmal nach Madeira kommen, würde ich wahrscheinlich hier nach einer Unterkunft suchen. Man kann entlang der Avenida Arriaga schlendern, vorbei am Hotel Ritz und dem Palácio de São Lourenço. In den kleinen Seitenstraßen gibt es viele Restaurants mit schönen Außenterrassen. Nach dem Abendessen waren wir noch in der Revolucion Cocktail Bar, um zum Abschluss noch einen Poncha zu trinken. Das traditionelle Getränk besteht aus Zuckerrohrschnaps, Honig, Orangen- und Zitronensaft und ist sehr lecker, aber auch stark.
FAZIT
Madeira hat eine tolle Natur zu bieten: viele beeindruckend satt grüne Berge und Täler. Obwohl wir in der Nebensaison da waren, waren die Wanderwege sehr voll und man musste immer früh an den Parkplätzen sein. Schade fanden wir, dass viele Wanderwege (vor allem die entlang der Levadas) keine Rundwege sind. Auf jeden Fall sollte man sich tagesaktuell informieren, ob der jeweilige Wanderweg geöffnet ist. Den berühmten Wanderweg PR1 zum Pico Ruivo haben wir leider nicht gemacht, da die Wettervorhersage immer Nebel auf dem Gipfel vorhergesagt hat und sich das dann den Berichten nach zu urteilen, nicht gelohnt hätte. Aber etwas bereuen wir es schon. Was mich aber auch etwas von dieser Wanderung abgeschreckt hat, war der Fakt, dass man am besten zum Sonnenaufgang dorthin soll. Wir hätten 40 Minuten mit dem Auto gebraucht und das wäre dann ein seeehr frühes Aufstehen gewesen.
Obwohl die Insel nur 741km² groß ist, sollte man die Fahrstrecken nicht unterschätzen. Die Straßen sind oft sehr steil und kurvig und meist braucht man länger als der Routenplaner angibt. Man fährt immer wieder durch Tunnel, wodurch einem leider die Aussicht auf die Landschaft verwehrt wird.
Was wir uns auch noch für einen nächsten Madeira Besuch aufgehoben haben, ist eine Fährfahrt zur kleinen Nachbarinsel Porto Santo.






