Westkanada

Reisebericht 27.05. – 16.06.26

INHALT

Anschließend mieteten wir uns Fahrräder bei Spokes auf der Cordova Street. Wir bekamen auch Helme, da in Vancouver eine Helmpflicht gilt. Aber da uns so gut wie kein Radfahrer mit Helm begegnete, setzten auch wir die Helme nach kurzer Zeit wieder ab. Wir starteten am Canada Place und fuhren die Seawall (Uferpromenade) entlang Richtung Stanley Park. Aber so richtig ins Fahren kommt man hier gar nicht, da man immer wieder anhält, um Fotos zu machen, z.B. von den startenden Wasserflugzeugen. Im Stanley Park muss man die Seawall entgegen des Uhrzeigersinns fahren, da es eine Einbahnstraße ist. Hier hat man immer wieder tolle Ausblicke auf die Skyline von Vancouver. Am nördlichen Punkt des Parks (Prospect Point) kann man die Lions Gate Bridge bestaunen. Nach der Umrundung des Stanley Parks radelten wir zurück zum Verleih und gaben die Räder wieder ab. Insgesamt waren wir 3 Stunden unterwegs und haben pro Person 32$ bezahlt.

Nach der Fahrradtour spazierten wir einmal quer durch Downtown zum Hornby Aquabus Ferry Dock, von wo wir mit einem Mini-Wassertaxi nach Granville Island fuhren. Die Überfahrt dauerte 2 Minuten und kostetet 5$ pro Person, aber es war ganz witzig und es ging schneller als zu Fuß über die Brücke. Granville Island ist ein ehemaliges Industriegebiet, das in den letzten Jahrzehnten in ein lebendiges Kultur- und Marktviertel umgewandelt wurde. Eine der alten Hallen ist heute eine riesige Markthalle, wo frisches Obst, Gemüse, Backwaren oder Fisch verkauft werden. Nach einer kleinen Runde über die Halbinsel gingen wir Richtung Kitsilano Beach, um uns nochmal mit meiner Freundin zu treffen. Gemeinsam spazierten am Strand entlang bis zum Elsje Point, wo wir die kleine Fähre zum Sunset Beach nahmen. Auch hier wieder tolle Aussichten auf die Bucht und die Skyline. Zum Abendessen entschieden wir uns für das indische Restaurant „Sula“ auf der Davie Street. Den Sonnenuntergang wollten wir am English Bay Beach genießen, doch leider kamen dann recht viele Wolken. Die Stimmung/Atmosphäre dort war trotzdem schön: zahlreiche Menschen auf Decken auf den Wiesen oder am Strand, beim Volleyballspielen oder auf den Außenterrassen der Restaurants. Besonders gut hat uns am Strand die Skulptur „Amazing Laughter“ gefallen, da die Figuren alle in Fußballtrikots der verschiedenen Nationen gekleidet waren (für die bevorstehende WM). Der Plan, mit dem Bus zurück zur Unterkunft zu fahren, endete mit mehrfachem Umsteigen und recht langen Wartezeiten an den Haltestellen aufgrund Verspätungen.

Wenn wir noch mehr Zeit in Vancouver verbracht hätten, hätten wir uns gerne noch das Nobelviertel Shaughnessy angeschaut, hätten im Queen Elizabeth Park die Photo Session Skulptur fotografiert und wären zur Capilano Suspension Bridge (oder alternativ zum Lynn Canyon) gefahren.

Auf dem Weg zu unserem AirBnB machten wir einen Stopp am Cathedral Grove. Der Rundweg durch den Urwald startet direkt am Highway. Da es schon spät am Nachmittag war, war es nicht schwer einen Parkplatz zu finden. Auf angelegten Wegen läuft man vorbei an riesigen, alten Douglasien, die man gar nicht komplett fotografieren kann.

Weiter ging es nach Port Alberni, wo wir erstmal bei Walmart einen Grundstock an Lebensmitteln einkauften. Hier lernten wir gleich, dass auf manche (verarbeitete) Lebensmittel an der Kasse zusätzlich 12% Steuern aufgeschlagen werden. Aber auch die frischen Produkte waren ziemlich teuer.

Unser AirBnB lag in der Nähe vom Sproat Lake in einer idyllischen Waldsiedlung, wo wir nur noch Abendessen aßen und dann ins Bett fielen.

Weiter ging es zum Whistler Train Wreck. Hier gibt es einen schönen ca. 2,6km langen Wanderweg, der überwiegend flach durch einen Wald zu einer kleinen Hängebrücke und dann zu mehreren verlassenen Zugwaggons führt. Die Waggons liegen seit einem Zugunglück 1956 an dieser Stelle und werden regelmäßig als Graffiti-Leinwand genutzt. Am Anfang des Weges wurde auf Schildern vor Bären gewarnt, aber uns ist keiner begegnet.

Nach der kleinen Wanderung machten wir uns in Whistler auf die Suche nach unserem AirBnB, aber wir konnten einfach die Einfahrt zu der Wohnanlage „Lagoons“ nicht finden. Nach mehrmaligem im Kreis fahren und Chat mit dem Vermieter, haben wir das Apartment schließlich gefunden.

Anschließend schauten wir uns Whistler Village an, das an ein kleines Alpendorf erinnert. Das gesamte Village ist eine reine Fußgängerzone und fast alle Gebäude sind holzverkleidet, überall gibt es Restaurants mit Außenterrassen und teilweise Live Music. Trotz des gemütlichen Charmes gehört Whistler zu den größten Wintersport-Zentren Nordamerikas. Am Olympic Plaza stehen die Olympischen Ringe als Symbol für die Olympischen Spiele von 2010.

Weiter ging es Richtung Lillooet auf der Duffey Lake Road. Dieser Streckenabschnitt war landschaftlich einer der schönsten auf unserer Reise. Zunächst noch schlängeln sich die Serpentinen durch die grünen Berge, aber je näher man Lillooet kommt, umso mehr erwarten einen tiefe Canyons und eine trockene Halbwüstenlandschaft.

In Lillooet hatten wir das Bed & Breakfast „Lavender Lane“ für zwei Nächte gebucht. Da es so außergewöhnlich von seiner Gestaltung war, muss ich hier zwei Fotos davon posten. Alles (Innen und Außen) war in Lila gehalten.

Zum Abendessen gab es Pizza und Bier in der Lillooet Brewing Company. Sehr zu empfehlen! Gleich nebenan liegt die Old Bridge. Wenn man hier steht, kommt wirklich Goldgräber-Stimmung auf. Lillooet war um 1860 der Ausgangspunkt der historischen Cariboo Road. Von hier aus machten sich die Goldsucher auf den schweren Weg zu den nördlichen Goldfeldern.

Am Nachmittag besuchten wir den Seton Lake Lookout. Es ist ein kurzer Spaziergang ohne viel Steigung und trotzdem hat man einen tollen Ausblick auf den See und die U-Kurve der Duffey Road. Angeblich heißt der Platz auch „Lulu Lookout“, weil die Kurve aussieht wie das Logo von Lululemon.

Wenn man in Little Fort auf den Highway 5 abbiegt, kommt man am High Five Diner vorbei. Das Diner im 50er Jahre Retro Stil könnte glatt eine Filmkulisse darstellen. Für uns gab es stilecht Burger, Pommes und Milchshake.

In Clearwater hatten wir das Fieldstone Guesthouse gebucht, eine geräumige Ferienwohnung ganz in der Nähe des Wells Gray Provincial Parks. Da wir an verschiedenen Stellen gelesen hatten, dass auf der Hauptstraße des Provincial Parks hauptsächlich in der Abenddämmerung Wildtiere gesichtet werden, sind wir diese Straße gegen 21Uhr mehrere Kilometer ganz langsam abgefahren. Aber die einzigen Tiere, die wir gesehen haben, waren eine wunderschöne Eule und ein Reh. Wieder kein Bär oder Elch.

Für den Nachmittag hatten wir bei der Shook Ranch (in Vavenby, ca. 25km von Clearwater) einen Reitausflug gebucht. Wir waren die einzigen Gäste und konnten dadurch ganz entspannt den geführten Ausritt genießen. Begleitet wurden wir von der Chefin Sarah, einer Praktikantin (ihren Namen habe ich leider vergessen) und einem Hund, der den Pferden die ganze Zeit zwischen die Hufe rannte. Wir ritten eine Stunde über die Felder und Wiesen von Sarahs Rinderfarm, umgeben von einer tollen Bergkulisse. Die Pferde waren sehr gut ausgebildet und auch als Anfänger konnte man nicht viel falsch machen.

Auf dem Rückweg nach Clearwater machten wir noch einen Abstecher zu den Raft Cliffs. Hier befindet sich ein genialer Aussichtspunkt über der Schlucht des Raft Rivers. Kleiner Geheimtipp!

Wenn wir diese Bootstour nicht gemacht hätten, wäre ich stattdessen gerne im Mount Robson Provincial Park den Berg Lake Trail gewandert, aber dazu hatten wir dann leider keine Zeit mehr.

Kurz vor Jasper passierten wir die Grenze von Bristish Columbia zu Alberta und befanden uns nun auch in einer anderen Zeitzone. In Jasper fuhren wir direkt zum Pyramid Lake und hielten das berühmte Fotomotiv der kleinen Brücke zur Pyramid Island in allen erdenklichen Varianten fest. Auf der anderen Straßenseite erkundeten wir noch die kleine Anhöhung, wo zwei der typischen Red Chairs stehen, um sich für eine kurze Pause niederzulassen.

Nachdem wir in unser AirBnB in der Patricia Street eingecheckt hatten, ging es zum Abendessen ins Olive Bistro, wo es für Matthias mal wieder Burger und für mich eine vegetarische Bowl mit Süßkartoffel und Halloumi gab. Beides war sehr gut. Obwohl wir sehr zentral wohnten, hatten wir das Glück, dass genau in dem Teil der Straße kein paid parking war, denn das Parken direkt im Ort ist ziemlich teuer. Da es noch schönes Wetter war (und wir schon wussten, wie die Vorhersage für die nächsten Tage war), gingen wir kurzerhand noch beim neu errichteten Jasper Sign vorbei und fuhren anschließend noch zum Beauvert Lake. Hier steht das teure Resort „Fairmont Jasper Park Lodge“ (kann man sich ja mal anschauen). Am Bootshaus konnte man ein Stand-Up Paddle Board für 95$ pro Stunde ausleihen… ähm nein. Sehr niedlich waren die Columbian ground squirrel (eine Art Erdhörnchen) auf den Wiesen am See.

Im Gegensatz zu dem Gebiet, wo wir nun hinfuhren: der Old Fort Point. Es sieht hier wirklich apokalyptisch aus und macht einen traurig. Soviele verbrannte Flächen. Doch am Boden sprießen bereits neue, frische Gräser. Die Stadt setzt auf eine natürliche Waldgeneration und pflanzt nur an wenigen Stellen künstlich neue Bäume an. Der ca. 4km lange Rundweg führte uns zunächst auf einen großen Hügel, von dem man gut sehen kann, wieviel in der Stadt und in der Umgebung gerade wiederaufgebaut wird. Viele Menschen leben immer noch in provisorischen Container- der Wohnmobilsiedlungen. Weiter geht der Weg vorbei an den verkohlten Pappeln und Nadelbäumen. Hier und da zeigt sich ein gelbes Blümchen am Boden und man stellt sich vor, wie es hier wohl mal ausgesehen hat.

Gegen Abend fuhren wir ein Stück die Maligne Lake Road entlang, um vielleicht noch auf ein paar Tiere zu treffen. Vor allem am Anfang der Strecke ist auch hier der Wald stark verbrannt und der Maligne Canyon ist immer noch geschlossen. Am Medicine Lake stiegen wir kurz aus und durften am Ufer, auf den Felsen, mehrere putzige Murmeltiere beobachten (ein sehr großes Tier habe ich leider mit meinem überraschten „Ooohhhh“ verschreckt). Immer wieder trafen wir auf andere TouristInnen, die uns begeistert erzählten, dass sie eben gerade einen Bären gesehen haben. Wir konnten es nicht fassen. Nun ja. Wir erspähten dann noch eine Gruppe junger Wapiti-Hirsche am Wegesrand.

Ich möchte noch erwähnen, dass wir in Jasper ganz bewusst nicht zum Maligne Lake gefahren sind, da uns die viel umworbene Bootsfahrt zur Spirit Island einfach zu teuer war.

Auf dem Icefields Parkway kann man alle paar Kilometer an einem Aussichtspunkt oder Wanderweg anhalten. Noch schöner wäre es wahrscheinlich bei Sonnenschein gewesen, aber wir machten das Beste draus und versuchten uns die schönsten Spots rauszupicken. Dazu gehörte auch der Mistaya Canyon. Das ist eine beeindruckende Schlucht aus Kalkstein, die der reißende Fluss glatt geschliffen und teilweise große Strudellöcher ausgewaschen hat. Man kann hier auf den Felsen nah am Rand der Schlucht entlanglaufen und tolle Fotos machen.

Unser Highlight entlang der Strecke war definitiv der Peyto Lake. Der Weg vom Parkplatz ist nicht mal 1km lang, aber es war teilweise so vereist, dass TouristInnen mit Sandalen(!) den Weg blockierten und es sich staute. Die Farbe des Gletschersees ist tatsächlich genauso leuchtend Türkisblau wie man es von den Fotos kennt (no filter). Auf der Aussichtsplattform war es ziemlich voll und man musste erstmal warten bis man ganz nach vorne ans Geländer kam, aber dann war der Ausblick genial.

Nun mussten wir aber wirklich ohne weiteren Zwischenstopp noch 120km bis nach Golden fahren, da wir bis 18:00Uhr am AirBnB (im Wald) sein mussten.

Ich hatte extra noch nachgeschaut, ob die Gondel am Kicking Horse Mountain Resort schon für den Sommerbetrieb geöffnet hatte (ab dem 30.05.26), allerdings hatte ich wohl überlesen, dass das in der Early Season nur von Freitag bis Montag der Fall ist. Wir standen also vor einer geschlossenen Seilbahnstation und alles war wie ausgestorben. Was nun?!? In der Gegend um Golden gab es erstmal nicht soviel Interessantes zu tun. Im benachbarten Glacier Nationalpark war wegen Schnee auch noch vieles gesperrt und die Golden Skybridge war uns zu teuer. Ich hatte zum Glück das Shuttle für den Lake Louise & Lake Moraine für zwei verschiedene Tage als back-up reserviert und den einen Tag noch nicht storniert. Also fuhren wir die 85km zum P&R Parkplatz in Lake Louise, wo wir für 15:00Uhr ein Shuttle reserviert hatten. Das ist schon eine recht späte Uhrzeit und uns war klar, dass wir uns an beiden Seen nicht lange aufhalten können, da das letzte Shuttle um 19:30Uhr zurückfährt.

Wir waren etwa 15:45Uhr am Lake Moraine. Und mit uns hunderte andere TouristInnen. Wir gingen die paar Stufen zum Aussichtspunkt Rockpile hinauf. Der See und die Bergkulisse sind sehr malerisch, aber da der Himmel grau war, hatte er nicht die berühmte türkise Färbung wie z.B. der Peyto Lake. Aber nicht nur das schlechte Wetter trübte den Ausblick, sondern auch der Lärm der anderen TouristInnen. Es war unglaublich, in welcher Lautstärke das zwanzigste Instagram-Foto gemacht wurde. Wir gingen recht schnell wieder zum (Connector)Shuttlebus, um weiter zum Lake Louise zu fahren. Hier war es, wahrscheinlich aufgrund der späteren Uhrzeit, etwas leerer. Aber von der Optik her kann der Lake Louise nicht beim Lake Moraine mithalten. Obwohl wir nicht mehr viel Zeit hatten, machten wir uns auf den Weg zum Lake Agnes Tea House. Eigentlich war fast klar, dass wir die 4km hoch und 4km runter nicht schaffen würden, aber wir wollten es versuchen. Wir schafften es nur bis zum Mirror Lake (ca. 3.2km) und da wir nicht riskieren wollten, das letzte Shuttle zu verpassen, kehrten wir um. Rückblickend muss ich sagen, dass es besser gewesen wäre, die 1,2km zum Fairview Lookout zu gehen, da hätte man zwar einen steilen Aufstieg gehabt, aber einen schönen Blick über den See und das Fairmont Chateau. Insgesamt müssen wir sagen, dass uns der ganze Ablauf mit dem Shuttlebus (Einsteigen – Aussteigen – Anschauen – Einsteigen – Aussteigen), sowie die Menschenmengen, viel zu touristisch (zu kommerziell) waren und die festen Abfahrtzeiten der Shuttles machen den Besuch nicht ganz so individuell möglich.

Auf dem Rückweg nach Golden hielten wir am Golden Hill Lookout. Von hier hat man einen super Ausblick auf die Stadt, das Tal und die schneebedeckten Gipfel der Rocky Mountains. Der Hügel mit den Picknickbänken ist unterhöhlt von zahlreichen, pfeifenden Prairiedogs.

Einfach weil man wirklich direkt daran vorbeifährt, sollte man einmal kurz an der Natural Bridge anhalten. Hier hat der Fluss über tausende von Jahren ein Loch in den Felsen gegraben, wo nun das Wasser durchströmt (wie unter einer Brücke). Leider haben wir diese „besondere“ Felsformation gar nicht wahrgenommen und nur Fotos vom strömenden Fluss gemacht, bevor er die Brücke erreicht. Wahrscheinlich waren zu viele Menschen um uns herum.

Am Highway Nähe Lake Louise nahmen wir die Abzweigung zum Bow Valley Parkway, weil das die landschaftlich schönere und ruhigere Strecke Richtung Banff ist. Eine große Empfehlung für einen kurzen Halt ist die Morant’s Curve. Hier hat man ein Bilderbuch-Panorama und wenn man etwas wartet sogar mit durchfahrendem Zug.

Da wir uns schon im Vorfeld gegen den berühmten Johnston Canyon entschieden hatten (viel zu überfüllt), wollten wir stattdessen den Marble Canyon im Kootenay Nationalpark besuchen. Hier führt ein ca. 1,5km langer Weg an einer Kalksteinschlucht entlang. Auf mehreren Brücken kann man an verschiedenen Stellen die Schlucht überqueren und immer wieder bis zu 40 Meter in die Tiefe auf das rauschende Gletscherwasser schauen. Am Ende des Weges gibt es auch wieder die obligatorischen Red Chairs. Man läuft zwar nicht wie beim Johnston Canyon unten durch die Schlucht, sondern oberhalb, aber dafür ist der Marble Canyon viel leerer und ruhiger.

Nun ging es auf direktem Weg nach Canmore. Hier hatten wir ein AirBnB Appartment in der Falcon Crest Lodge. Das war die teuerste Unterkunft auf der ganzen Reise und es war nur ein Zimmer. Zu Fuß machten wir uns auf den Weg nach Downtown. Es ist einfach so schön und entspannt in Canmore! Die Kleinstadt ist umgeben von Bergen, hat stylische Lodges im Alpinstil und eine lebendiges Zentrum mit Restaurants, Shops, Brauereien und Galerien. Auf der Main Street (8th street) gibt es bei „AL’s Chimney Cake“ eine außergewöhnliche Kombination aus Softeis und Baumstriezel. Wir machten dann noch einen Spaziergang über den „Policeman’s Creek Boardwalk“, wo man auf einem Holzsteg entlang des Baches durch das sumpfige Feuchtgebiet läuft. Tolle Kulisse!

In unserer Unterkunft hing an der Wand ein Bild der Berggipfel „Three Sisters“ mit der berühmten Wasserspiegelung. Das wollten wir auch fotografieren! Also fuhren wir kurz vor Sonnenuntergang zum Three Sisters Viewpoint. Erstmal waren wir etwas überrascht, dass das Wasser vor der Bergkette kein großer See, sondern nur ein kleiner Tümpel war (so können Fotos täuschen). Trotzdem war der Anblick magisch. Die Berge haben sich perfekt im ruhigen Wasser gespiegelt. Allerdings war hier großer Mückenalaram.

Da uns die Banff Gondola zu teuer und Sunshine Meadows noch geschlossen war, beschlossen wir am Mount Norquay mit dem Sessellift nach oben zu fahren. Zwischen 5 und 10 Minuten (je nachdem wieviele Personen ein- und aussteigen) beträgt die Fahrzeit von 1711m auf 2085m Höhe. Oben angekommen hat man einen fantastischen Panoramablick auf Banff, das Bow-Tal und den Mount Rundle. Wenn man nicht ins Cliffhouse Bistro oder auf den Klettersteig Via Ferrata möchte, kann man nicht viel mehr machen als die Aussicht genießen, aber die ist wirklich herrlich. Außerdem ist es hier nicht so überlaufen wie auf dem gegenüberliegenden Sulphur Mountain, zu dem man mit der teuren Banff Gondola fahren kann.

Nun wollten wir uns Banff Downtown etwas genauer anschauen. Wir ergatterten einen kostenlosen Parkplatz am Bahnhof, wenn auch über eine nicht ganz offizielle Zufahrt. Von dort sind es nur wenige Minuten zu Fuß bis zur berühmten Banff Avenue. Hier gibt es ein Restaurant neben dem anderen, aber auch zahlreiche Geschäfte, wie z.B. The Spirit Of Christmas, wo auf mehreren Etagen unzählige Weihnachtsartikel verkauft werden. Auf der Banff Avenue kann man wunderbar Souvenirs kaufen oder einfach nur Schlendern. Aber im Hochsommer will man hier wohl eher nicht sein. Wir steuerten die Cascade of Time Gardens (Cascade Gardens) am südlichen Ende der Avenue an. Die hübsch angelegte Gartenanlage ist ein guter Aussichtspunkt auf die Banff Avenue und den mächtigen Cascade Mountain. Man sollte auch einen Blick auf die Gärten hinter dem Verwaltungsgebäude werfen, aber wir hatten zu großen Hunger und suchten erstmal ein Restaurant. Von der Straße aus sahen wir die Dachterrasse des Elk & Oarsman. Das Restaurant ist im Erdgeschoss eine typische Sportsbar, aber oben auf der Dachterrasse geht es entspannter zu und die Burger waren auch nicht schlecht.

Gut gestärkt fuhren wir zum Surprise Corner Viewpoint, von wo man einen guten Blick auf das historische Luxushotel Fairmont Banff Springs vor der Kulisse der Rocky Mountains hat. Wir finden das der Blick etwas weiter vorne an der Straße sogar noch besser ist, da hier der rauschende Bow River unterhalb des Hotels ins Bild kommt.

Was ich mir bei einem nächsten Banff Besuch eventuell noch anschauen würde, sind die Cascade Ponds, da dieses Seengebiet auf Bildern sehr idyllisch aussieht, aber davon habe ich erst nach unserer Reise erfahren.

Auf dem Rückweg nach Canmore haben wir noch den Quarry Lake besucht, welcher den Cascade Ponds wahrscheinlich recht ähnlich ist. Wir hatten Glück, dass gerade keine SUP’s auf dem Wasser waren, sodass wir die tolle Spiegelung der Berge sehen konnten.

Da uns die Landschaft entlang des Highway 40 so gut gefallen hat, sind wir noch ein paar Kilometer weiter südlich gefahren bis zu den Mount Lorette Ponds. Hier gibt es zwei kleine Teiche mit kristallklarem Wasser, die gerne zum Angeln genutzt werden. Die Teiche werden regelmäßig von der Provinz mit Forellen besetzt (put-and-take-fishery). Wenn man sich einmal kurz die Beine vertreten möchte, sollte man unbedingt hier anhalten.

Um nach Calgary zu kommen, wurde uns der Highway 68 als „interessante Alternative zu den größeren Hauptverkehrsstraßen“ vorgeschlagen. Nur leider hat niemand gesagt, dass der größte Teil der Strecke eine staubige Schotterpiste ist, auf der man ungefähr doppelt so lange braucht. Nun ja, irgendwann waren wir dann wieder auf dem Trans-Canada Highway und erreichten Calgary.

Hier machten wir eine interessante Erfahrung mit dem kanadischen Pfandsystem. Wir hatten in British Columbia nur einmal einen Supermarkt gefunden, der Pfandflaschen zurückgenommen hat und seitdem hatten sich wieder einige Flaschen angesammelt. In Alberta muss man seine Flaschen zu einem Bottle Deposit bringen, also fuhren wir ins Industriegebiet zu einer vom Vermieter genannten Adresse. Dort stehen mehrere MitarbeiterInnen an sehr lauten Fließbändern und sortieren die Flaschen, woraufhin man das Geld ausgezahlt bekommt. Ich glaube, wir haben 3$ zurückbekommen 🙂

Wir hatten uns für die letzte Nacht ein AirBnB auf halber Strecke zwischen Downtown und Flughafen ausgesucht. Das Apartment war zwar auch wieder halb im Souterrain gelegen (wie mehrere unserer Unterkünfte), aber es war eins der schönsten und das günstigste der ganzen Reise. Nach einer kurzen Verschnaufpause wollten wir uns noch die Skyline von Calgary im Abendlicht bzw. bei Nacht anschauen. Dazu fuhren wir auf den Crescent Hill, wo man eine wunderbare Aussicht auf die architektonisch sehr unterschiedlichen Wolkenkratzer der Stadt hat. Außerdem machten wir noch einen Abstecher zum Scotsman’s Hill auf der östlichen Stadtseite, wo man den farbig beleuchteten Tower und den Saddledome (Sportarena) sehen kann. So kann man den Abend ausklingen lassen.

Auf der Stephen Avenue und in den umliegenden Straßen kann man gut den Kontrast in der Architektur sehen: historische Gebäude stehen unmittelbar neben modernen Bürotürmen. Ein Teil der Stephen Avenue ist Fußgängerzone, hier gibt es mehrere Restaurants, die Shopping Mall CORE, aber auch Obdachlose. Auch in Calgary ist die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum größer als das Angebot. Insgesamt fanden wir die Innenstadt fast etwas ausgestorben. Obwohl es ein sonniger Vormittag war, waren nur wenige Menschen unterwegs.

Anschließend schlenderten wir zur Peace Bridge. Die spiralförmige Fußgängerbrücke könnte mal einen neuen Anstrich vertragen, ist aber dennoch eine interessante Konstruktion. Direkt daneben kann man über eine andere, kleinere Brücke, die Prince’s Island erreichen. Auf der Insel befindet sich ein ca. 20 Hektar großer Stadtpark mit Wiesen, Blumenbeeten, Spielplätzen und einem Café. Die Flussufer sind ein beliebter Aufenthaltsort für Gänse und Enten, dementsprechend sehen auch manche Wege aus. Trotzdem kann man hier schön spazieren gehen (oder Fahrradfahren), immer wieder mit Ausblick auf die Skyline der Stadt. Damit endete unser kurzes Sightseeing in Calgary und wir machten uns auf zum Flughafen, um die Heimreise anzutreten.

Wenn wir noch etwas mehr Zeit in Calgary verbracht hätten, hätten wir uns gerne noch das Villenviertel Mount Royal angeschaut und wären zum Heritage Park in einem Vorort von Calgary gefahren.

Karte von Google My Maps

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